Von der DPG 2026 zu TRACE: Klimabildung zwischen Wissen und Handlung
Im März 2026 war das TRACE-Projekt auf der Frühjahrstagung der Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) in Dresden vertreten – einer der größten Physikkonferenzen Europas mit mehreren tausend Teilnehmenden. Die Tagung bot eine wichtige internationale Plattform, um aktuelle Entwicklungen in der Physikdidaktik und insbesondere im Bereich der Klimabildung zu diskutieren und einzuordnen.
Ein besonderes Highlight war der Keynote-Vortrag von Giulia Tasquier, der sich der Frage widmete, wie Physikunterricht in Zeiten globaler Herausforderungen neu bzw. weitergedacht werden kann. Im Zentrum stand die Überlegung, wie naturwissenschaftliche Bildung über die Vermittlung von Fachwissen hinausgehen und Schüler:innen dabei unterstützen kann, mit Unsicherheit, Komplexität und offenen Zukunftsfragen umzugehen. Dabei wurde deutlich, dass Klimabildung nicht nur Wissen über physikalische Zusammenhänge vermitteln kann, sondern auch die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen, ethischen und politischen Dimensionen erfordert.
Diese Perspektiven wurden im Symposium „The Sustainability Challenge“ weitergeführt, in dem auch TRACE vertreten war. Der Beitrag von Thomas Schubatzky rückte die Rolle von Bildung als möglichen Hebel für gesellschaftliche Transformation in den Mittelpunkt. Ausgehend vom Konzept sozialer Kipppunkte wurde diskutiert, inwiefern Klimabildung dazu beitragen kann, Veränderungen nicht nur auf individueller Ebene anzustoßen, sondern auch breitere gesellschaftliche Dynamiken zu beeinflussen. Dabei zeigte sich ein differenziertes Bild: Empirische Befunde weisen darauf hin, dass Klimabildung robuste Effekte auf Wissen hat und auch Veränderungen in Einstellungen und Handlungsbereitschaft unterstützen kann. Gleichzeitig bleibt unklar, unter welchen Bedingungen diese Effekte tatsächlich zu nachhaltigem Handeln führen. Insbesondere wurde betont, dass neben kognitiven Faktoren auch affektive Dimensionen eine zentrale Rolle spielen. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle von Lehrpersonen, die als zentrale Akteur:innen darüber entscheiden, ob und wie Klimahandeln im Unterricht thematisiert wird. Insgesamt machte der Beitrag deutlich, dass Klimabildung zwar ein erhebliches Transformationspotenzial besitzt, die zugrunde liegenden Wirkmechanismen jedoch noch nicht ausreichend verstanden sind.
Die Beiträge auf der DPG machten deutlich, dass Klimabildung weit über reine Wissensvermittlung hinausgeht und zunehmend auch den Umgang mit Unsicherheit, die Verknüpfung naturwissenschaftlicher mit gesellschaftlichen Perspektiven sowie die Frage, wie Lernende zu reflektiertem Handeln befähigt werden können, umfasst. Während im Keynote-Vortrag von Giulia Tasquier insbesondere die Notwendigkeit betont wurde, physikalisches Lernen stärker mit ethischen und gesellschaftlichen Dimensionen zu verbinden, zeigte der Beitrag von Thomas Schubatzky, dass Klimabildung zwar wirksam Wissen und Einstellungen beeinflussen kann, die zugrunde liegenden Mechanismen für tatsächliches Handeln jedoch noch unzureichend verstanden sind.
Genau an dieser Schnittstelle setzt TRACE an: Das Projekt greift diese beiden Perspektiven auf, indem es einerseits Klimabildung konsequent als Verbindung von fachlichem Lernen und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit denkt. Ziel ist es, ein besseres Verständnis dafür zu entwickeln, wie Lernumgebungen gestaltet sein müssen, damit sie nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch zu reflektiertem und wirksamem Handeln beitragen können.
Die Diskussionen auf der Tagung haben zugleich zentrale offene Fragen sichtbar gemacht, die direkt in TRACE adressiert werden: Wie können politische und gesellschaftliche Dimensionen sinnvoll in den Unterricht integriert werden? Welche Formen von Agency sind für Schüler:innen realistisch und wirksam? Und wie können Lehrkräfte so unterstützt werden, dass sie diese Aspekte im Unterricht aufgreifen können? Diese Fragen wird TRACE in den kommenden Projektphasen weiter bearbeiten, in enger Verbindung von Forschung, Unterrichtspraxis und internationalem Austausch.
