Tracing TRACE #1: Wie wirksam sind klimapolitische Maßnahmen? Es kommt darauf an.
Bild: OECD (2025), The effects of climate policies on emissions – evidence from a comprehensive and systematic review of the ex-post empirical literature, Inclusive Forum on Carbon Mitigation Approaches Papers, OECD Publishing, Paris. Licensed under CC BY 4.0. https://creativecommons.org/licenses/by/4.0/
Wir entwickeln derzeit bei TRACE ein Selbstreflexions-Tool für Schüler:innen. Zum einen soll dieses Tool uns mehr Einblick darin geben, wo sich junge Menschen im Kontext von Climate Agency sehen, also wie sie ihre Fähigkeit einschätzen, individuell und kollektiv zum Klimaschutz beizutragen. Zum anderen ist es für den Einsatz im Unterricht gedacht. Die Schüler:innen können über unsere Website auf das Tool zugreifen, den Fragebogen online ausfüllen, ihre Ergebnisse sofort angezeigt bekommen, sie mit aggregierten Ergebnissen aller anderen Teilnehmenden vergleichen und die aufgeworfenen Fragen und Ideen zu Climate Agency gemeinsam im Unterricht diskutieren.
Ein Aspekt, den wir in das Tool aufnehmen wollten, schien zunächst einfach: junge Menschen zu bitten, das Treibhausgas-Einsparungspotenzial verschiedener Politikmaßnahmen zu schätzen. Doch so einfach ist es nicht, wie ein genauerer Blick auf die verfügbaren Daten zeigt. Die Berechnungen aus verschiedenen Studien für unterschiedliche Politikmaßnahmen variieren offenbar stark (siehe Abbildungen 8–11 in OECD, 2025). Diese großen Spannweiten erschweren es, klare Unterschiede zwischen Maßnahmen zu identifizieren. So ist zum Beispiel die CO2-Steuer in den Sektoren Verkehr und Stromerzeugung im Durchschnitt die wirksamste Maßnahme. Doch die Spannweite der Ergebnisse über Studien hinweg ist so groß (z. B. aufgrund der Vielfalt der betrachteten Kraftwerke oder von Unterschieden zwischen Ländern und Politik-Kontexten), dass derzeit keine klare Abgrenzung zwischen CO2-Steuern und anderen Instrumenten wie Emissionshandelssystemen möglich ist. Demgegenüber erscheint die Evidenz zu Maßnahmen im privaten Bereich konsistenter. Eine Meta-Analyse von Diana Ivanova et al. (2020) zeigt beispielsweise vergleichsweise klare Unterschiede zwischen Handlungen, etwa das größere Minderungspotenzial des Verzichts auf fossil betriebene Autos im Vergleich zur Umstellung auf eine saisonale Ernährung (siehe Abbildung 7 in Ivanova et al., 2020).
Natürlich bleiben politische Maßnahmen für wirksame Klimaminderung unverzichtbar. Doch unsere Arbeit an dem Tool hat uns daran erinnert, dass die Wirksamkeit von Klimaschutzmaßnahmen oft kontextabhängig, methodisch komplex und nicht immer leicht in vereinfachter Form zu vermitteln ist.
Für die Klimabildung stellt sich damit eine wichtige Herausforderung: Wie können wir junge Menschen dabei unterstützen, die Bedeutung struktureller und politischer Maßnahmen zu verstehen, auch wenn deren Minderungspotenziale komplex, kontextabhängig und nicht direkt miteinander vergleichbar sind?
Diese Fragen fließen derzeit in die Weiterentwicklung des TRACE-Reflexionstools ein. In der kommenden Pilotphase wollen wir untersuchen, wie junge Menschen sich mit unterschiedlichen Formen von Climate Agency auseinandersetzen und wie sich komplexe Evidenz zur Wirksamkeit von Minderungsmaßnahmen sinnvoll in Bildungskontexten diskutieren lässt. Wenn Sie relevante Studien oder Datenquellen kennen, die diese Arbeit unterstützen könnten, freuen wir uns sehr über eine Nachricht: contact@trace-climate-education.eu.
Quellen:
- OECD (2025). The effects of climate policies on emissions – evidence from a comprehensive and systematic review of the ex-post empirical literature. Inclusive Forum on Carbon Mitigation Approaches Papers, OECD Publishing, Paris.
- Ivanova, D., Barrett, J., Wiedenhofer, D., Macura, B., Callaghan, M., & Creutzig, F. (2020). Quantifying the potential for climate change mitigation of consumption options. Environmental Research Letters, 15(9), 093001.
